Ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Farbe und Geschichte

Im Ostchor des Naumburger Doms wurden die neuen Glasfenster nach Entwürfen von Prof. Markus Lüpertz feierlich eingeweiht.

In einer bewegenden Andacht wurden am 29. Juni 2026 im Ostchor des Naumburger Doms vier neue künstlerische Glasfenster nach Entwürfen des international renommierten Künstlers Prof. Markus Lüpertz eingeweiht. Damit ist ein Moment Wirklichkeit geworden, der weit über eine bauliche Ergänzung hinausreicht: Der Ostchor, ein über Jahrhunderte gewachsener Raum aus Stein, Glas und Gebet hat eine neue, dauerhaft prägende künstlerische Stimme erhalten.

Was seit dem späten 16. Jahrhundert als sichtbare Disharmonie im Glasmalereibestand des Chorraumes bestand, ist nun in eine kraftvolle, ausdrucksstarke und zugleich tief in die historische Architektur eingebundene neue Ordnung überführt worden.

Während sechs Fenster des Ostchors aus dem 14., 15. und 19. Jahrhundert stammen und im Rahmen umfangreicher Restaurierungsmaßnahmen bis 2021 wieder in ihrer farbigen Leuchtkraft erfahrbar gemacht wurden, waren zwei große Langfenster über lange Zeit nur mit schlichter heller Verglasung versehen und verhängt, nachdem ihre ursprünglichen Glasmalereien unter anderem durch Witterungseinflüsse verloren gegangen waren.

Dank der großzügigen Förderung der GETEC Stiftung und der Dr. Harald Hack Stiftung sowie der herausragenden künstlerischen Entwürfe von Prof. Markus Lüpertz und der meisterhaften Umsetzung durch die Glaswerkstatt Derix Taunusstein konnte dieser unbefriedigende Zustand nun überwunden werden.

Entstanden sind vier neue Fenster, die den Ostchor nicht nur ergänzen, sondern ihn in seiner Gesamtheit neu erfahrbar machen: als einen vielschichtigen Raum, in dem sich nun die Themen Verdammnis und Erlösung in eindringlicher und farbgewaltiger Weise entfalten.

Die Vereinigten Domstifter danken auch der Landesdenkmalpflege für die konstruktive Zusammenarbeit. Gerade an einem Ort wie dem Naumburger Dom, braucht ein solches Vorhaben nicht nur künstlerische Kraft und großzügige Förderung, sondern auch denkmalpflegerische Sensibilität, sorgfältige Abstimmung und den gemeinsamen Willen, historische Substanz zu bewahren und zugleich eine qualitätvolle Weiterentwicklung zu ermöglichen. Dass die neuen Fenster heute so selbstverständlich, kraftvoll und zugleich respektvoll in den Ostchor eingebunden sind, ist auch Ergebnis dieses intensiven und verantwortungsvollen Miteinanders.

Der Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter, Dr. Holger Kunde, ist begeistert: „Die Gestaltung und die Farbwirkung sind von einer herausragenden künstlerischen Qualität und Raumwirkung. Es ist Markus Lüpertz in höchst beeindruckender Weise geglückt, den historischen Glasmalereibestand des Ostchores mit neuen Fenstern zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen.“

Heidelinde Gerhold, Vorstandsvorsitzende der GETEC Stiftung, betont: „Kultur verbindet Menschen über Generationen hinweg. Die neuen Fenster im Ostchor des Naumburger Doms schaffen nicht nur faszinierende Licht- und Farbräume, sondern eröffnen auch neue Zugänge zu einem bedeutenden Teil unseres kulturellen Erbes. Als GETEC Stiftung möchten wir dazu beitragen, dass historische Orte lebendig bleiben und auch künftige Generationen inspirieren. Deshalb unterstützen wir dieses außergewöhnliche Projekt mit großer Überzeugung.“

Dr. Karl Gerhold, Stifter und Unternehmer, erklärt: „Große Bauwerke erzählen die Geschichte ihrer Zeit – und sie dürfen auch heute weitergeschrieben werden. Die Neuverglasung des Ostchores zeigt beispielhaft, wie zeitgenössische Kunst historische Architektur bereichern kann, ohne deren Identität zu verlieren. Markus Lüpertz ist es gelungen, einen kraftvollen künstlerischen Akzent zu setzen, der den Naumburger Dom dauerhaft prägen wird. Solche Projekte verlangen Mut, Qualität und langfristiges Denken – Werte, die uns als Förderer besonders wichtig sind.“

Professor Dr. Michael Göring, Beauftragter der Dr. Harald Hack Stiftung, sagt: „Die neuen Fenster von Markus Lüpertz vollenden den künstlerischen wie religiösen Spannungsbogen, der nun von der Hochgotik des Ostchors, den Fenstern aus dem 14. bis 19. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart reicht. Der Dom ist Baudenkmal, er ist ebenso Kirche für uns heute, was Lüpertz in seinen Fenstern wunderbar zum Ausdruck bringt. Die Dr. Harald Hack Stiftung hat die künstlerische Neuverglasung der vier Fenster im Ostchor sehr gern unterstützt.“

Prof. Markus Lüpertz selbst beschreibt die besondere Bedeutung seiner Arbeit für den Naumburger Dom mit den Worten: „Ich bin stolz und glücklich in einem so großen, beeindruckenden Raum meinen Beitrag zu leisten. Es ist für einen lebenden Künstler so etwas wie die Vollendung.“

Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt Rainer Robra würdigt das vollendete Projekt: „Sachsen-Anhalt besitzt eine reiche Kulturlandschaft. Diese zu bewahren und weiterzuentwickeln bedarf der Mitwirkung Vieler. Neben dem Land und den Kommunen kommt hier privatem Engagement und den Stiftungen große Bedeutung zu. Ein gutes Beispiel dafür sind die neuen Glasfenster im Ostchor des Naumburger Doms. Sie zeigen zudem, dass Denkmalpflege nicht allein Bewahrung bedeutet, sondern auch verantwortungsvolle Weiterentwicklung ermöglichen kann. Mit ihnen erhält der Naumburger Dom einen starken künstlerischen Akzent, der weit in die Zukunft wirken wird und den Reichtum des kulturellen Erbes Sachsen-Anhalts in besonderer Weise sichtbar macht. Dafür gilt mein herzlicher Dank dem großartigen Künstler Prof. Dr. Markus Lüpertz und den Förderern von der GETEC Stiftung und der Dr. Harald Hack Stiftung.“

Der Dechant der Vereinigten Domstifter, Prof. Dr. Jörg Ulrich, erklärt: „Markus Lüpertz hat das Thema „Verdammnis und Erlösung“ in höchst beeindruckender Weise künstlerisch umgesetzt. Bilder und Farben sind lebendig und aussagestark. Wer bislang nicht glauben konnte, dass die Menschheit der Erlösung bedarf – im Naumburger Dom kann er sich nun davon überzeugen. Aber eben auch davon, dass „Erlösung“ kein leeres Wort ist, sondern mit Kraft auf uns zukommt und uns zuteilwird.“

Die neuen Fenster vollenden den künstlerischen wie religiösen Spannungsbogen, der im Ostchor des Naumburger Doms über Jahrhunderte hinweg gewachsen ist: von der Romanik des Chorquadrats über die gotische Erweiterung des Chorabschlusses, von den mittelalterlichen Glasmalereien und den Ergänzungen des 19. Jahrhunderts bis hin zur ausdrucksstarken Bildsprache eines Künstlers der Gegenwart. Der Dom bleibt damit, was er seit Jahrhunderten ist – ein herausragendes Baudenkmal, ein kostbarer Erinnerungsraum und eine lebendige Kirche –, und er wird zugleich um eine neue, unverwechselbare Schicht bereichert, die ihn nun für immer prägen wird.

Besonders eindrucksvoll ist dabei, dass die neuen Fenster nicht wie eine bloße Ergänzung neben dem historischen Bestand stehen, sondern den gesamten Ostchor in eine neue, dichte, farbige und geistig aufgeladene Beziehung setzen. Wenn das Tageslicht durch die Glasflächen fällt, verwandelt sich der Raum je nach Stunde, Witterung und Lichteinfall immer wieder neu: Farben beginnen auf dem Stein im Raum immer wieder neu zu leuchten und geben ihm ein ganz neues Gefühl.

Der Ostchor war über Jahrhunderte hinweg das liturgische Zentrum des Naumburger Doms. Bis heute befindet sich hier der Hauptaltar der Kirche. In ihm begegnen sich die romanische Strenge des 13. Jahrhunderts und die gotische Erhebung des 14. Jahrhunderts, das mittelalterliche Chorgestühl mit seinen außergewöhnlichen Formen und die eindrucksvollen Spätwerke des Naumburger Meisters. Mit der künstlerischen Neuverglasung erhält dieser bedeutende Raum nun eine neue Gegenwart, ohne seine Geschichte zu verlieren.

Die vier neuen Fenster von Prof. Markus Lüpertz sind damit nicht nur ein künstlerisches Ereignis von überregionaler Bedeutung, sondern auch ein starkes Zeichen dafür, dass große historische Bauwerke lebendig bleiben, wenn sie mit Sorgfalt, Respekt, Mut und höchstem Qualitätsanspruch weitergedacht werden. Im Ostchor des Naumburger Doms ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das Vergangenheit und Gegenwart, Stein und Licht, Glaube und Kunst, Erinnerung und Zukunft in einer seltenen Intensität miteinander verbindet.

Hintergrund

Der Ostchor des Naumburger Doms gehört zu den bedeutendsten Raumschöpfungen des Doms. Er vereint romanische und gotische Architektur, mittelalterliche Ausstattung und einen Glasmalereibestand, der vom 14. bis ins 21. Jahrhundert reicht. Im Rahmen des Projekts zur Glasrestaurierung im Naumburger Dom wurden die historischen Glasfenster des Ostchors von 2019 bis Anfang 2021 umfassend restauriert.

Zu den historischen Fenstern des Ostchors zählen unter anderem das Marienfenster und das Jungfrauenfenster aus dem 14. Jahrhundert, das Passions- und Symbolfenster aus dem 15. Jahrhundert sowie das Petrus- und Paulusfenster aus dem 19. Jahrhundert. Mit der Neuverglasung der vier Fenster nach Entwürfen von Prof. Markus Lüpertz wird dieser bedeutende Bestand nun in die Gegenwart fortgeschrieben.

Fenster im Ostchor des Naumburger Doms_Gestaltung_Markus Lüpertz_Foto_Ralf Maier_rique lame photography

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