Welterbe NAumburger Dom

Als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler des Hochmittelalters ist der spätromanisch-frühgotische Dom ein Besuchermagnet an der „Straße der Romanik“ und trägt seit dem 1. Juli 2018 den Titel UNESCO-Welterbe. Die größte Anziehungskraft übt der Westchor mit seinen zwölf Stifterfiguren aus. Das Zusammenspiel von Architektur, Skulptur und Glasmalerei – geschaffen durch die Hand eines Bildhauerarchitekten – ist ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft. Der Naumburger Meister und seine zu Beginn des 13. Jahrhunderts eingerichtete Werkstatt offenbaren den bereits zur Zeit des Mittelalters gelebten kulturellen Austausch in Europa, lassen sich die Spuren der Bauhütte doch von Nordwestfrankreich über Deutschland bis nach Südwesteuropa verfolgen.
Mit ihrer Lebendigkeit und Ausdrucksstärke ziehen die 12 Stifterfiguren jeden Besucher in ihren Bann. Speziell Markgräfin Uta gilt als das Sinnbild für die „schönste Frau des Mittelalters“. Beeindruckend sind auch die beiden hochmittelalterlichen Lettner, welche die Chöre räumlich vom Kirchenschiff trennen. Zwei erhaltene Lettner in einer Kirche sind einzigartig auf der Welt! Meisterwerke der Romanik und Gotik fügen sich mit Glanzstücken der Gegenwartskunst zu einem eindrucksvollen Ensemble. Doch es gibt im Dom noch viel mehr zu bestaunen. 

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Der Ostchor

Der Ostchor war das liturgische Zentrum des Doms, in ihm findet sich bis heute der Hauptaltar der Kirche. Hier trifft die Romanik des Chorquadrats (13. Jh.) auf die Gotik im Chorabschluss (14. Jh.). Das mittelalterliche Chorgestühl mit seinen beeindruckenden Buchpulten fasziniert schon von weitem und regt durch außergewöhnliche Formen zum Nachdenken an. Lebensecht wirken die Spätwerke des Naumburger Meisters: die Bischofsfigur und die Figur des Diakons (13. Jh.).

 

 

Mit der Erweiterung erhielt der Ostchor auch die sechs neuen großen gotischen Maßwerkfenster, deren heutiger Glasmalereibestand vom 14. bis zum 21. Jahrhundert reicht.

Im Rahmen des Projekts Glasrestaurierung im Naumburger Dom wurden die Glasfenster des Ostchors von 2019 bis Anfang 2021 durch umfangreiche Maßnahmen restauriert und leuchten nun wieder in beeindruckender Farbpracht.

Handläufe von Heinrich Apel

Zwei moderne Handläufe aus Bronze zieren die Treppenaufgänge hinauf in den Ostchor. Sie wurden vom Magdeburger Künstler Heinrich Apel gestaltet. Detailreich erzählen die Kunstwerke ganz eigene Geschichten. Der „Heilige Franziskus und die Tiere“ (1972) zeigt den Mönch Franz von Assisi, der den Vögeln predigt. „Der schmale Pfad ins Paradies“ (1983) stellt den beschwerlichen Weg der Menschen ins Paradies dar. Der Pfad wird verkörpert von einer Schlange, an der die Menschen nach oben – bis zur Pforte zum Paradies – klettern. Ganz unten lauert der Kopf der Schlange, auf dem der Teufel reitet. An beiden Handläufen lassen sich viele liebevoll gestaltete Details entdecken und ertasten: Tiere, Pflanzen und Figuren aus der Bibel oder der antiken Mythologie.

Die Krypta

Wer die Krypta betritt, wird sofort von ihrer schlichten Wirkung überwältigt. Die dreischiffige Hallenkrypta ist der älteste Bauteil des Naumburger Doms und stammt aus der Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts.

Der Mittelteil mit seinen romanischen Säulen und Würfelkapitellen hat eine Besonderheit zu bieten: zwei Wandleuchter in Form eines Propheten und einer Engelin, geschaffen vom Künstler Heinrich Apel.

Der Blick zum Altar offenbart ein romanisches Kruzifx mit Christus als Triumphator (um 1160/70), links und rechts davon zwei moderne Glasfenster des Künstlers Thomas Kuzio (2012/2014).

Das Langhaus

Fließend ist der Übergang von der Romanik zur Gotik im dreischiffigen Langhaus des Doms. Zugleich ein ungewöhnlicher Blick, denn zwei Lettner trennen es zum Ostchor und Westchor ab – dies ist einmalig auf der Welt! Während das Tageslicht weitgehend ungestört durch die Fenster des Mittelschiffs in den Dom strömt, befinden sich in den Fenstern der Seitenschiffe die bunt verglasten Domherrenfenster vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Wappendarstellungen der adligen Domherren. Eine Lutherfigur an der Kanzel erinnert heute an die Amtseinsetzung des ersten evangelischen Bischofs der Welt, Nikolaus von Amsdorf, im Naumburger Dom. Ihn hatte Martin Luther 1542 persönlich ordiniert. Die Orgel der Orgelbaufirma Eule aus Bautzen stammt aus dem Jahr 1982.

Der Ostlettner

Einer der ältesten Hallenlettner Deutschlands (um 1220) befindet sich im Naumburger Dom. Seine drei romanischen Gewölbe verleihen ihm den typischen Charakter einer kleinen Halle, während ein gotisches Kruzifix (16. Jh.) über dem ebenfalls romanischen Rundbogenfries mit der Darstellung verschiedener Heiligenfiguren thront.

Vor dem Kreuzaltar, der sich in das mittlere Joch einfügt, wird sonntags evangelischer Gottesdienst gefeiert.

Der Westlettner

Einzigartig ist der Naumburger Westlettner. Die Chorschranke zum Westchor fasziniert in ihrer Gestaltung als auch ihre reinen Existenz, denn nirgends auf der Welt gibt es einen zweiten mittelalterlichen Lettner in einem Kirchenraum. Mit dem Relief der Passionsgeschichte zählt er zum Hauptwerk des Naumburger Meisters. Folgt man den einzelnen Bildern des Passionsreliefs, ist man beeindruckt von der Lebhaftigkeit der Figuren. Der Höhepunkt ist die lebensgroß präsentierte Kreuzigung mit Christus, Johannes und der Mutter Maria, die gemeinsam den Eingang zum Westchor bilden. Ebenso realistisch wurden die Pflanzen der Kapitellen, Simse und Schlusssteine aus dem Stein gearbeitet. Zu entdecken sind neben Kirsche, Haselnuss und Efeu natürlich auch Weinlaub mit Weinreben, die nach diesem Vorbild im Domgarten rekultiviert wurden.

Der Westchor

Der Naumburger Westchor ist eine Einheit aus Architektur, Skulptur und Glasmalerei. Alles spricht dafür, dass die Gesamtleitung für Bau und Bauschmuck in der Hand eines einzigen Bildhauerarchitekten lag, dessen Spuren sich von Nordfrankreich über Mainz nach Naumburg und Meißen quer durch Europa nachvollziehen lassen. Dieser namentlich unbekannte Architekt und Steinbildhauer – der sogenannte Naumburger Meister – hat gemeinsam mit seiner Bauhütte in der Mitte des 13. Jahrhunderts im Westchor in nur sechs Jahren sein Hauptwerk errichtet.

Alle fünf Glasfenster des Westchors wurden im Rahmen des Projekts Glasrestaurierung im Naumburger Dom von 2017 bis 2019 durch umfangreiche Maßnahmen restauriert.

Lucas Cranach d. Ä. schuf im Jahr 1519 für den Marienaltar des Naumburger Westchors ein dreiflügeliges Altarretabel. Das mit einer Darstellung der Gottesmutter Maria mit Kind versehene Mittelteil des Retabels wurde 1541 im Zuge einer bilderfeindlichen Aktion zerstört. Auf diese Weise verlor der Westchor seine Patronin. Nach mehr als 500 Jahren wurden die beiden originalen Flügel um ein vom Leipziger Künstler Michael Triegel neu geschaffenes Mittelteil sowie eine Predella ergänzt. Mit diesem Altarretabel gewann im Juni 2022 der Westchor des Naumburger Doms temporär seinen liturgischen Mittelpunkt zurück.

Bis zum 4. Dezember 2022 war der Altar im Naumburger Westchor zu sehen, bevor er auf eine knapp einjährige Ausstellungsreise ging. Zwischen dem 17. Dezember 2022 und dem 11. Juni 2023 wurde der Altar im Diözesanmuseum Paderborn gezeigt. Anschließend war er vom 22. Juni bis November 2023 im Marmorsaal des Stiftes Klosterneuburg bei Wien zu sehen. Hier erhalten Sie einen Eindruck von der Präsentation des Altars vor Ort. Ein Resümee der beiden Ausstellungsstationen können Sie hier lesen.

Im Dezember 2023 kehrte der Altar in den Westchor des Naumburger Doms zurück. 

Seit dem 2. November 2025 ist der Altar für zwei Jahre in der Kirche des Campo Santo Teutonico neben dem Petersdom in Rom zu sehen. Der Transport wurde vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. In der Zeit der Ausleihe soll eine einvernehmliche Lösung für den Altar gefunden werden im Dom, in der Domklausur, die nicht Welterbe gefährdend ist.

 

 

Die Stifterfiguren

Vor allem die zwölf Stifterfiguren sind einzigartig, bestechen durch ihre außergewöhnliche künstlerische Qualität und beeindrucken durch ihre Lebendigkeit, Realitätsnähe und Ausdrucksstärke. Dargestellt werden die Grafen und Gräfinnen Gerburg, Konrad, Hermann und Reglindis, Dietmar, Syzzo, Thimo, Ekkehard und Uta, Gepa – auch Berchta genannt – und Dietrich, die im 10./11. Jahrhundert lebten. Aus diesem Ensemble sticht die Markgräfin Uta heraus, sie wirkt anmutig, erhaben, entschlossen und zugleich verletzlich und geheimnisvoll. Sie gilt als die „schönste Frau des Mittelalters“ und war das Vorbild für Walt Disneys böse Königin in seiner Verfilmung des Märchens Schneewittchen, so machte sie den Dom weltbekannt.

Alle zwei Jahre findet in Naumburg das UTA-Treffen statt. Menschen aus aller Welt, die den Namen einer Stifterfigur tragen, kommen für ein ereignisreiches Wochenende in Naumburg zusammen.

Die Elisabethkapelle

Fast unscheinbar ist der Zugang zur romanischen Elisabethkapelle mit der ältesten Steinskulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Sie sollten jedoch nicht verpassen, einen Blick hinein zu werfen!

Die geheimnisvolle Skulptur der Landgräfin – noch in romanischem Stil – ist nach bisherigem Wissensstand bereits kurz nach der Heiligsprechung Elisabeths (nach 1235) entstanden und damit wohl die älteste Figur der Heiligen aus Stein.

Seit 2007 befinden sich in der Kapelle moderne Glasfenster mit Szenen aus dem Leben der Heiligen, die von dem Leipziger Maler Neo Rauch in einem auffälligen Rot gestaltet wurden und insbesondere an sonnigen Nachmittagen der Kapelle eine besonders warme Atmopshäre verleihen.

Die neuen Paramente im Dom

Im Bestreben, die liturgische Funktion des Naumburger Doms noch deutlicher erkennbar zu machen und gleichzeitig den künstlerischen Anspruch im Dom auf ein neues Niveau zu heben, wurden neue Paramente für die Welterbestätte geschaffen.

Die roten Paramente tragen den Titel „Einschnitt“ und wurden von Inka Schottdorf und Margarita Wenzel entworfen. Die Umsetzung erfolgte als Jacquardgewebe, das mithilfe von Constanza Kramer und einer Weberei in Norditalien ausgeführt wurde. Die grünen Paramente mit dem Namen „Botschaft“ wurden in Zusammenarbeit mit Viktor Petrov realisiert und als Kupfer-Messing-Mosaike in aufwendiger Handarbeit angefertigt. Die drei Künstler*innen sind international tätig und leben sowie arbeiten in Bad Bocklet, Paris und Berlin.

Inka Schottdorf, Viktor Petrov und Margarita Wenzel haben an der Burg Giebichenstein und teilweise an der UdK Berlin studiert. Bereits 2020 erhielten Wenzel und Schottdorf von den Vereinigten Domstiftern den Auftrag, Entwürfe für neue Paramente für den Naumburger Dom zu entwickeln. Mit der Umsetzung der Entwürfe für die roten Paramente wurde schließlich die Kirchengemeinde Naumburg beauftragt. Die Finanzierung erfolgte durch die Vulpius-Stiftung.

Weitere Domkapellen

Die Taufkapelle

Gleich nach dem Durchschreiten des Hauptportals öffnet sich seitlich die Taufkapelle (auch Stephanuskapelle genannt) mit einem romanischen Taufstein. Eindrucksvoll sind hier die drei Rundbogenfenster. Zwei davon schuf der Künstler Thomas Kuzio, der in seiner Gestaltung auf das dritte Fenster Bezug nahm.

Die Evangelistenkapelle

Die Evangelistenkapelle ist der Kapellenraum unter dem Südwestturm der Domkirche (ca. 1220er Jahre). Der heutige Name geht auf Wandmalereien zurück, deren Reste noch im 19. Jahrhundert zu sehen waren. Drei Fenster in der Kapelle sind vom Künstler Jochem Poensgen aus dem Jahr 2013. Das Altarbild ist aus dem 16. Jahrhundert, das ursprünglich aus Naumburg stammt und 1915 von der Othmarsgemeinde an das Erfurter Angermuseum verkaufte wurde (gegenwärtig Leihgabe des Angermuseums).

Die Dreikönigskapelle

Im 15. Jahrhundert entstand die spätgotische Dreikönigskapelle, die über eine äußere Treppe vom Domplatz aus erreichbar und durch die auffällige Figurengruppe der Heiligen Drei Könige sowie Maria mit dem Kind schon von weitem erkennbar ist. Das Strahlengewölbe im Inneren sowie das farbige Dreikönigsfenster aus dem 19. Jahrhundert werden Sie verzaubern. Aufgrund ihrer Abgelegenheit vom Trubel der Straße und des Touristenstroms wird sie als „Raum der Stille“ genutzt.

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