Das Hauptwerk des Naumburger Meisters

Der Westlettner des Naumburger Doms zählt neben den Stifterfiguren im Westchor zu dem Hauptwerk des Naumburger Meisters. Der Westlettner diente, anders als der Naumburger Ostlettner, nicht als Lesebühne sondern lediglich als Chorschranke zur Abgrenzung des Langhauses zum Westchor.

Auf den Reliefs des Westlettners ist die Passion Christi figürlich dargestellt.

Die steinernen Reliefs zeigen von links beginnend:

  • Abendmahl,
  • Auszahlung der Silberlinge an Judas,
  • Gefangennahme Christi,
  • Verleugnung Petri gegenüber der Magd
  • Verleugnung Petri gegenüber den Wächtern
  • Christus vor Pilatus (Handwaschung).
  • Geißelung (hölzerne Ergänzung, 1737)
  • Kreuztragung (hölzerne Ergänzung, 1737)

Der vom Naumburger Meister und seiner Werkstatt gestaltete Leidensweg ist auf eine für die Mitte des 13. Jahrhunderts ungewöhnlich wirklichkeitsnahe Interpretation dargestellt. Das dramatische Geschehen der Passion steht als schweres Schicksal der Beteiligten im Mittelpunkt. Auch die Kapitelle am Westlettner bestechen durch ihre realitätsgetreue Gestaltung.

Als Vorbilder dienten heimische Pflanzen, Kräuter und Baumblätter. Zu finden sind z.B. Weinlaub, Eichenblätter, Haselnuss, und Beifuß. Die naturalistischen Blattornamente gehen im Allgemeinen auf französische Formen zurück, aber es gibt keine Pflanzendarstellung des Mittelalters, die diese Naumburger an Natürlichkeit und Feinheit der Durchbildung übertreffen. Der Westlettner gehört mit den Werken im Westchor zu den bedeutendsten Werken der deutschen Frühgotik.

Die Passionsgeschichte

Der dramatische Abschluss der Darstellung der Passionsgeschichte befindet sich im Portal – der Tod Christi am Kreuz, begleitet von seiner trauernden Mutter Maria und seinem Lieblingsjünger Johannes.

Auch die Anordnung der Kreuzigungsgruppe am Lettner ist für die damalige Zeit ungewöhnlich. Normalerweise müsste das Triumphkreuz hoch über der Chorschranke, im Triumphbogen, zu finden sein. In Naumburg Dom ist es herabgesetzt, fast ebenerdig – auf dem Niveau der Laien. Wer den Westchor betreten will, muss unter den ausgebreiteten Armen des Gekreuzigten hindurchgehen. Der Mittelpfosten des Portals bildet den Kreuzstamm, der Türsturz den Kreuzbalken.