Älteste bildliche Darstellung der hl. Elisabeth

In der so genannten Elisabethkapelle (Turmkapelle im Erdgeschoss des Nord-West-Turmes des Naumburger Doms) befindet sich die wohl älteste bildliche Darstellung der Heiligen Elisabeth von Thüringen in Stein. Im Kopf der Figur waren Reliquien der Heiligen deponiert.

Die geheimnisvolle Skulptur der Landgräfin ist nach bisherigem Wissensstand bereits kurz nach der Heiligsprechung Elisabeths (nach 1235) entstanden. Seit dem frühen 14. Jahrhundert war die Elisabethkapelle am 2. Mai jeden Jahres Ziel einer vom Ostchor ausgehenden Prozession des Naumburger Domkapitels. 

Elisabeth von Thüringen (1207-1231) zählt zu den bedeutendsten Frauengestalten des Mittelalters und zu den herausragenden Charakteren der europäischen Geschichte. Wie wohl mit keiner zweiten Persönlichkeit ist ihr Wirken im Bewusstsein der Nachwelt mit der aufopfernden barmherzigen Hinwendung zu Armen und Kranken verbunden. Noch nicht einmal 4 Jahre nach ihrem Tod wurde sie zu Pfingsten 1235 feierlich von Papst Gregor IX. in Perugia heilig gesprochen. 

Ob die aus Ungarn stammende Elisabeth, die zwischen 1211 und 1227 als königliches Kind und Fürstin am thüringischen Landgrafenhof vor allem auf der Wartburg und der Neuenburg weilte, die Kathedrale des Bistums Naumburg mit eigenen Augen gesehen hat, geht aus der schriftlichen Überlieferung nicht hervor. Sie wäre hier Zeuge des großen Domneubaus geworden, der ab 1213 die Bischofsstadt prägte. Auf jeden Fall wurde das Andenken der heilig gesprochenen Landgräfin im Naumburger Dom schon früh in Ehren gehalten. Die in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstandenen Glasfenster des weltberühmten Naumburger Westchors führen im umlaufenden Zug der Heiligen auch Elisabeth auf - oberhalb des Markgrafenpaares Ekkehard und Uta.

Anlässlich des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth im Jahr 2007 wurde die Elisabethkapelle im neuen Glanz der Öffentlichkeit übergeben. Die Elisabethkapelle steht als Raum der Stille für die Besucher des Doms offen.