In der Gerichtsbarkeit des Bischofs

Als Domfreiheit wurde der Bereich um einen Dom bezeichnet, in dem der Bischof und das Domkapitel die Gerichtsbarkeit besaßen. Damit war dieser Bereich frei von der Gerichtsbarkeit der umliegenden Stadt und wurde daher als „Freiheit“ bezeichnet.

Dieses mittelalterliche Recht der Unterordnung der Kanoniker zu einem eigenen Gerichtsstand blieb auch nach der Reformation bestehen. Fortan nahmen der Administrator sowie das Domkapitel die Gerichtsbarkeit in der Domfreiheit wahr.

 

Baugeschichte

In der Domfreiheit befanden sich die Kurien, also die Wohnhäuser und Wirtschaftshöfe der Domherren mit ihren Bediensteten. Einige Kurien verfügten außerdem über eigene Kapellen. Die Naumburger Kurien zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt im Erscheinungsbild aus, die Formensprache und ästhetischen Anspruch der Wohn- und Wirtschaftskultur der Domherren im Wandel der Jahrhunderte auf einzigartige Weise erlebbar macht. Durch mehrere Brände im 16. aber auch im 18. Jahrhundert sind viele der alten Kurien zerstört und im Stil des Barocks wieder aufgebaut worden. Umso nennenswerter sind zwei aus der Zeit der Romanik erhalten gebliebenen Bauten: ein romanischer Wohnturm auf dem Grundstück Domplatz 1 sowie die spätromanische Kapelle der Ägidienkurie Domplatz 8.

Eine der zentralen Aufgaben der Stiftung besteht in der Sicherung dieser Baudenkmäler. Damit verbunden ist das Bemühen um eine „Belebung“ der Domfreiheit, die in einzelnen Fällen bereits sehr erfolgreich realisiert wurde. So konnte im Zuge der Umsetzung der evangelischen Ganztagsschule die Liegenschaft Domplatz 3 umfänglich saniert und sinnfällig in Nutzung überführt werden.